Nathan der Weise
Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise
Gotthold Ephraim Lessing
„Nathan der Weise“ ist Lessings letztes und berühmtestes Drama und ein Manifest der Aufklärung. Im mittelalterlichen Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge lebt der reiche, weise jüdische Kaufmann Nathan, der seine Pflegetochter Recha vor einem Brand von einem christlichen Tempelherrn gerettet sieht. Als der herrschende Sultan Saladin, in Geldnöten, Nathan mit der Fangfrage konfrontiert, welche der drei monotheistischen Religionen die wahre sei, antwortet dieser mit der berühmten Ringparabel: Ein Vater hinterlässt drei Söhnen identische Ringe, deren „echter“ nicht mehr zu bestimmen ist – jeder solle durch sein Handeln beweisen, dass sein Ring der wahre sei. Im Verlauf des Stücks stellt sich zudem heraus, dass Nathan, Recha, der Tempelherr und Saladin durch komplizierte Familienbande miteinander verbunden sind – ein Sinnbild für die gemeinsame Menschenfamilie jenseits religiöser Grenzen. Das 1779 erschienene, zunächst nur als Buch veröffentlichte Stück (eine Aufführung wurde von der Zensur untersagt) gilt bis heute als eines der wichtigsten literarischen Plädoyers für religiöse Toleranz.
A propos de l'auteur
Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) war Dichter, Kritiker und der wichtigste deutsche Dramatiker der Aufklärung. Als Theologensohn aus Kamenz kämpfte er zeitlebens für Vernunft, Toleranz und ein eigenständiges deutsches Theater. Mit „Nathan der Weise“ und „Emilia Galotti“ schuf er Klassiker, die religiöse Vorurteile und gesellschaftliche Macht bis heute kritisch hinterfragen.